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Sie war winzig, gelb und gefräßig und bescherte den mallorquinischen Winzern zunächst einen neuen Boom. Anschließend hinterließ Philoxera die bislang größte Weinkatastrophe Mallorcas. Doch ist auch diese schon seit längerem überwunden.

Nachdem Philoxera - in der Mitte des 19.Jahrhunderts aus Nordamerika eingeschleppt - in kurzer Zeit die französischen Weingärten ruinierte, waren erst die Franzosen zum Import großer Weinmengen gezwungen. Dann zerstörte die kleine Reblaus die Rebstöcke auch in Portugal, Italien, Deutschland und der Schweiz. Plötzlich wollte ganz Europa mallorquinischen Wein. Diese Boomphase begann 1865 und fand 1891 mit einem Export von 500.000 Hektolitern ihren Höhepunkt. Der Nachfrage war fast zu groß für die Produktion. Darunter litt letztlich die Qualität. Schließlich erreichte die Plage über das Rioja 1891 die Sonneninsel selbst. Innerhalb weniger Jahre standen schnell zu Reichtum erlangte Inselwinzer wieder vor dem Aus. Continue Reading »

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Was haben Benedikt XVI, Heinrich VIII, Königin Elisabeth II, Heidi Klum sowie Herr und Frau Schlicht gemeinsam? Sie schmücken sich oder sind geschmückt. Der Wunsch sich zu schmücken, ist so alt wie der Homo Sapiens. Das ist bei kirchlichen Würdenträgern nicht anders als bei Königen oder Frau Müller. Schmücken auf vielfältige Art, mit edlen Stoffen, edlen Metallen, Edelsteinen oder mit Perlen.

Echte Perlen zu besitzen, war bis hinein ins 19. Jahrhundert das Privileg der Mächtigen und der Reichen. Denn eine Perlmuttkugel aus der Auster war (und ist) selten und kostbar. Das machte (und macht) sie begehrenswert. Perlen wurden damals nicht alleine für Halsketten, Armbänder, Broschen und Ringe verwendet, sondern viel häufiger als heute ins Haar geflochten, als Knopf oder Zierrat an Kleidung, Hüten und orientalische Turbane und Gewänder genäht. Im Mittelalter schmückten sie prächtige Buchdeckel, Reliquienbehälter und königliche Schatullen. Kurz alles, dessen spiritueller Wert, soziales Prestige oder ästhetischen Reiz man unterstreichen wollte.

Natürlich gab es auch damals schon Zeitgenossen, die angesichts des Wertes von Perlen über bezahlbare Alternativen nachdachten. Ein Pariser Rosenkranzhersteller entdeckte im 17. Jahrhundert, dass man das klebrige Material auf Fischschuppen benutzen kann, um Glasperlen zu ummanteln. Das gab ihnen einen gewissen Perlenschimmer. Und seit der Erfindung der Zuchtperle in Japan am Ende des 19. Jahrhunderts war Perlenschmuck nicht mehr allein den Oberen Zehntausend vorbehalten. Der Durchbruch für die Perlen als erschwinglicher Schmuck für mehr Menschen erfolgte vor ungefähr 100 Jahren; Die Nachfrage nach Perlen stieg in den europäischen Metropolen sprunghaft an: Eduard Hugo Heusch, ein deutscher, nach Frankreich ausgewanderter Ingenieur, hatte in Paris an einem Verfahren zur Herstellung künstlicher Perlen gearbeitet und schließlich eine Firma gegründet, deren Sitz er letztendlich nach Manacor verlegte, um seine „Majoríca“-Perlen auf Mallorca zu produzieren.

Durch die Namensähnlichkeit wird die Perle von „Majórica“ oft fälschlicherweise mit allen Mallorca-Perlen gleichgesetzt. Die Mallorca-Perle ist jedoch eine Herkunftsbezeichnung und betrifft alle Perlenimitationen aus Mallorca, die prinzipiell nach dem gleichen Verfahren hergestellt werden. Als das Patent der Gründerfamilie 1948 auslief, wurde eine Vielzahl von weiteren Manufakturen aus dem Boden gestampft. Heute konkurrieren noch sieben Unternehmen, die Zuchtperlen auf der Sonnen-Insel imitieren. Dabei variiert die Zusammensetzung der Essenz, in welche die Perlen getaucht werden, von Firma zu Firma und bleibt gut gehütetes Geheimnis.

Die Perlenherstellung ist ein Polymerisierung-Prozess. Ein künstlicher, winzig kleiner Kern aus trübweißem Bleiglas, einem Kristall oder Muschelschale wird auf einer Spezialhalterung befestigt. Dann wird dieser Kern bis zu 40 Mal in einen Perlmuttbrei eingetaucht, herausgenommen, getrocknet und wieder eingetaucht. Nach jedem Tauchgang ist er mit einer hauchdünnen Schicht überzogen, die von Hand mit einem Gasbrenner so stark erhitzt wird, dass die Moleküle der Meereswassermischung sich zu größeren Molekülen zusammenschließen. Der Perlmuttbrei besteht nicht, wie der Name vermuten lässt, aus gemahlenem Perlmutt, sondern aus kleinsten tierischen Teilchen aus dem Meer, zum Beispiel Fischschuppen, wie sie schon der Rosenkranzhersteller über 200 Jahre früher verwendet hatte, oder Muschelsand. Zum Schluß wird die Perle geschliffen und mit einem speziellen Lack überzogen. Das Bad kann mit farbigen Mineralien angereichert und so den Perlen jede gewünschte Farbe und Schattierung verleihen. Die Oberfläche ist glatt und hat eine härtere und deshalb widerstandsfähigerer Oberfläche als Naturperlen. Weder Schweiß, noch Make-up, Parfüm, Hitze oder Kälte können der Mallorca-Perle etwas anhaben. Sie ist von höchster Qualität und kommt mit einer zehnjährigen Garantie in den Verkauf. Laien können kaum eine natürlich entstandene von einer Mallorca-Perle unterscheiden. Im Gegensatz zum Perlen- Profi Claude Camand Glandut. Der Verkaufsdirektor von „Orquídea“ in Montuiri, sieht und fühlt auf Anhieb, ob eine Perle aus der Auster oder dem Labor kommt. Auf mehr als 2000 Quadratmetern Ausstellungs- und Verkaufsfläche neben den Fabrikationshallen bietet das Unternehmen 15.000 verschiedene Perlschmuckmodelle in Top-Qualität an.

Ob natürlich, gezüchtet oder imitiert – Perlen sind sinnlich. Echte und gezüchtete Perlen fühlen sich, im Gegensatz zur Mallorca-Perle in der Hand noch ein wenig kühler an, die Oberfläche ist etwas empfindlicher. Die Mallorca-Perle trägt sich auf der Haut so angenehm wie eine echte Perle und nimmt die Körperwärme an. Durch das Polymerisierungsverfahren können die in der Natur äußerst seltenen vollkommen runden Perlen massenweise produziert werden. Zwar kritisieren Verfechter echter Perlen, dass die Einmaligkeit der Austerperle unersetzbar und niemals deren Zauber erreichen könnte. Gegen diese Ansicht lässt sich Coco Chanels zitieren: „Einmaligkeit ist da, um kopiert zu werden.“ Nur wenige Frauen konnten sich ihre Haute Couture mit dem Originallabel leisten, aber sie hatte nichts gegen deren Imitationen einzuwenden. Sie förderte die Entwicklung der im 20.Jahrhundert einsetzenden Demokratisierung in der Mode und integrierte Modeschmuck als Bestandteil der Kleidung: Goldketten und Perlen waren ihre Favoriten. Schlichte Perlenketten, getragen mit einem Kostüm oder dem kleinen Schwarzen waren über Jahrzehnte der Inbegriff der Eleganz. Zeitweise hatten Perlen - meist getragen als einreihige Kette von ältlichen Oberschullehrerinnen wie auch von Jura- und BWL-Studentinnen zu konservativen Twin-Sets - ein biederes Image. Die studentischen Trägerinnen wurden dann oft auch als ‚Perlhühner’ bezeichnet. Doch das biedere ‚Perlhuhn-Image’ haben die Perlen inzwischen längst wieder abgelegt. Geblieben ist die Assoziation mit einer gewissen vornehmen und eleganten Zurückhaltung - ganz gleich, ob es sich um echte Perlen, Zuchtperlen oder hochwertige und perfekte Imitationen aus Mallorca handelt.

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Mein lieber Freund,

Die Insel bietet ein so reges Kulturleben, dass man sich geradezu am Strand oder in den Bergen wieder in Erinnerung rufen muss, dass man auf Mallorca lebt.

 

 

Aus Deiner letzten mail höre ich Bedenken heraus. Deine Befürchtungen Deine Interessen könnten hier zu kurz kommen, kann ich in alle Winde zerstreuen. Mallorca Touren sind voller Erlebnisse.

Du wirst auf Mallorca ausreichend mit Kultur versorgt werden. Du wirst soviel Konzerte hören, Galerien und Museen besuchen können, dass Du froh sein wirst einen ruhigen Abend auf Deiner Finca zu verbringen.

Mallorca ist nicht London, Berlin oder New York, aber ich kann Dir versichern, dass ich nach den Jahren hier noch keinen kulturellen Notstand ausrufen mußte.

Wenn ich durch Palma laufe, kann ich mich nicht satt sehen an Architektur, an den Details der Fassaden und der Geschichten, die hinter den Mauern lauern und nur darauf warten erzählt zu werden. Zugegeben, an spektakulärer zeitgenössischer Architektur sind wir im europäischen Vergleich, von Asien und dem amerikanischen Kontinent einmal völlig abgesehen, nicht zu messen. Das kann und will Mallorca auch nicht. Aber stell Dir vor: Daniel Libeskind hat hier gebaut. Das Atelier- und Galeriehaus für die amerikanische Künstlerin Barbara Weil in Andratx kann nach Absprache besucht werden. Und mit dem neuen Kongresspalast in Palma, nach Plänen von Francisco Mangado, bekommt die Inselhauptstadt ein zeitgenössisches Wahrzeichen. Auch der weltberühmte, international tätige spanische Architekt und Bildhauer Santiago Calatrava, der Valencia einen avantgardistischen Anstrich gegeben hat, ist vor dem Museum Es Baluard mit einem Werk vertreten. „El Toro“ - eine monumentale Plastik – fünf Kuben türmen sich auf zwei schmalen Zylindern halsbrecherisch über die Brüstung der Stadtmauer. Ein Balanceakt.

Der Museumsbau „Es Baluard“ ist gelungene Kombination aus Glas, Beton, Rampen und Terrassen. Die modernen Elemente verschmelzen harmonisch mit den Befestigungsanlagen der Renaissance und im Inneren wirst Du eine Kunstsammlung finden, die von mallorquinischer Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts über die klassische Moderne mit Picabia, Picasso, Matisse und Miró bis zur zeitgenössischer Kunst mit Vertretern wie Anselm Kiefer und Miguel Barceló reicht.

Manchmal werden Vorplatz und Terrasse des Museums auch als Forum für Theater, Ballett und Konzerte genutzt. Das ist wunderbar: Das Rampenlicht wirft Schatten der Musiker, Tänzer und Schauspieler an die alten Mauern und entwirft im Wechselspiel mit Wind und Palmen ein immer neues Bühnenbild.

Neben den großen Kunstmuseen wie dem „Es Baluard“, der „Fundació Miró“, den Stiftungen einiger Banken und Unternehmer, den Stadtmuseen „Museo de Mallorca“ und dem „Bellver“ gibt es auf Mallorca ca. 50 museale Stätten: prähistorische und römische Ausgrabungen, ethnologische und heimatkundliche, botanische und naturkundliche Einrichtungen sowie zahlreiche Galerien.

Eine Nacht im September sind die Kunstzentren und die Galerien der Stadt geöffnet. Ich glaube an keinem anderen Tag im Jahr sind die Galerien so gut besucht wie in dieser “Nit de l’Art”, in der die Galerien ihre aktuellen Ausstellungen präsentieren.  Die “Nit de l’Art” wird dieses Jahr mit Sicherheit noch länger als sonst.

Wie Du jetzt schon sehen kannst, haben wir einen kulturell interessanten Herbst vor uns.

Den Auftakt für die musikalische Frühjahr- und Sommersaison geben die „festes de primavera“ . In den Innenhöfen der Stadtpaläste oder in Kreuzgängen der Klöster, die man tagsüber mit geführten Rundgängen in verschiedenen Sprachen besichtigen kann, klingen am Abend die Instrumente.

Unter einem mediterranem Sternenhimmel finden im Sommer erstklassige Konzerte im Innenhof von Schloß Bellver und im Parc de Mar statt. Neben Jazz und Pop gibt das Symphonie-Orchester der Balearen „Ciutat de Palma“ Konzerte und „Joventuts Musicals“ geben Sommerserenaden.

In der Kathedrale können wir im Herbst das Abschluß-Konzert von „MusicaMallorca“ hören. Künstler von Weltrang geben von Oktober bis November Konzerte im wieder eröffneten „Teatre Principal“, im „Teatre Municipal Xesc Forteza“ und in der Kathedrale.

Daneben gibt es „dacapo“ ein junges Unternehmen, die klassische Hauskonzerte organisiert und Seminare zu klassischer Musik anbietet. - Wahrscheinlich klingen Dir jetzt schon die Ohren.

Im ehemaligen Karthäuserkloster spielen während des alljährlichen „Chopin-Festivals“ im August renommierte Pianisten und junge Talente Werke von Chopin und anderen Komponisten. Daneben verzeichnet Mallorcas Kultur-Kalender Veranstaltungen wie das Festival der klassischen Musik von Cura und Pollenca, die Sommerkonzerte in der Kirche von Banyalbufar, das weit über die Insel hinaus bekannte Internationale „Jazzfestival Sa Pobla“ und das „Jazz Voyeur Festival“ in Palma. Opern, Theater und Ballett findest Du im Auditorium und im „Teatre principal“.

Ruhe findest Du in den Bibliotheken. Neben den Stadtbüchereien und einer Dépendance der spanischen Nationalbibliothek, gibt es Fachbibliotheken wie diejenige der Architektenkammer, des Diözesanmuseums und der Universität. In Alcúdia ist aus der Stiftung Bertelsmann in Kooperation mit der Stadtverwaltung im alten Herrenhaus „Can Torro“ eine vorbildliche Bibliothek entstanden. Im „Palau March“ in Palmas wirst Du fast die gesamte Literatur finden, die je zu Mallorca erschienen ist.

Ich muss jetzt Schluss machen. Ich bin im „Casal Solleric“ verabredet. Ein städtisches Kultur- und Ausstellungsforum, das nicht schöner sein kann. Seit zehn Jahren findet in dem Palast aus dem 18. Jahrhundert in den Sommermonaten ein internationales Filmfestival statt. Gezeigt werden herausragende und prämierte Filme in Originalfassung, die leider nicht den kommerziellen Erfolg gefunden habe, den sie verdienen. Daneben gibt es Kinos, in denen aktuelle Streifen zu jeder Jahreszeit in Originalfassung zu sehen sind.

Ach ja, ich habe Karten für uns besorgt. Bevor wir Deine Umzugskisten auspacken, werden wir Deine Bedenken zerstreuen… Lass Dich überraschen! Solltest Du einige MallorcaTouren alleine starten wollen, kann ich dir vor allem diesen Reiseführer empfehlen. Viel Erfolg!

Deine Alexandra

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